Massen psychologen

Hier muss man zwischen mittelbaren und unmittelbaren Triebkräften unterscheiden. Erstere steuern die Grundhaltungen der Massen und bestimmen, welche Meinungen angenommen und welche abgelehnt werden. Mittelbare Triebkräfte sind:. Führer sind tatkräftige, von einer Idee beseelte Menschen mit einem starken Willen. Ihre Begeisterung kann an Wahnsinn grenzen — die Masse wird trotzdem auf sie hören.

Führer sind in der Regel gute Redner. Sie beeinflussen die Masse zunächst dadurch, dass sie unbegründete Behauptungen aufstellen und diese so lange wiederholen, bis sie sich im Unbewussten der Masse festgesetzt haben. Mit diesem Prinzip arbeitet übrigens auch die Werbung. Aus Behauptung und Wiederholung bildet sich dann eine geistige Strömung, und wie durch Ansteckung überträgt sich die Idee in der Masse immer weiter.

Ein Führer muss einen Nimbus besitzen, d. Häufig anzutreffen sind Menschen mit einem erworbenen Nimbus: Sie werden verehrt, weil sie durch Herkunft oder Erfolg besonderes Ansehen besitzen.

Psychologie der Massen von Gustave Le Bon: Gratis-Zusammenfassung

Es gibt aber auch Menschen, die unabhängig von Rang oder Bildung einen persönlichen Nimbus haben, mit dem sie andere Menschen beeinflussen. Zu ihnen gehören viele Religionsstifter oder einflussreiche politische Führer, z. Napoleon Bonaparte. Ein Nimbus verschwindet, sobald er infrage gestellt und diskutiert wird bzw. Zu allen Zeiten besitzen die unterschiedlichen Völker feste Grundanschauungen und wechselnde Meinungen.

Auf die Grundanschauungen stützt sich die Kultur eines Volks, sie sind schwer zu verändern, höchstens durch eine Revolution. Diese Anschauungen werden selbst von den Intellektuellen nicht infrage gestellt. Wenn sie sich wandeln, dann verändert sich auch die Kultur, und bis diese Umwandlung abgeschlossen ist, herrscht in einer Gesellschaft Anarchie.

Auf der Basis der Grundanschauungen hat die Masse veränderliche Meinungen, die nur für kurze Zeit bestehen. Was den Grundanschauungen widerspricht, kann sich nicht lange halten. Wenn man die Entwicklung von Kulturen beobachtet, so ist immer der gleiche Zyklus erkennbar: Zuerst findet sich ein Volk aus Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen. Es trägt alle Merkmale einer Masse.

Mit der Zeit vermischen sich die Unterschiede, eine Rasse bildet sich aus. Wenn sie ein gemeinsames Ziel, z. Irgendwann verblasst dieses Ideal wieder, und die Kultur beginnt zu altern. Mit der Zeit zerfällt sie ganz, ihre Mitglieder werden wieder zu egoistischen Einzelwesen ohne Zusammenhalt. Dies ist das Schicksal eines jeden Volkes. Gustave Le Bon hat seine Psychologie der Massen stark gegliedert: Das nur Seiten umfassende Werk ist in drei Bücher unterteilt, die sich wiederum aus mehreren Kapiteln und Paragrafen zusammensetzen.

Inhaltlich ist das Buch allerdings weniger stringent, der Autor neigt dazu, seine Thesen öfters zu wiederholen. Überhaupt sind Thesen und Behauptungen das zentrale Merkmal des Textes.

Gustave Le Bon: Psychologie der Massen

Genaue Herleitungen oder Beweise liefert Le Bon dagegen kaum, stattdessen führt er etliche historische Fallbeispiele an, vor allem aus der Zeit der Französischen Revolution und Napoleons. Manchmal begründet er seine Aussagen mit Zitaten, ohne jedoch eine genaue Quelle anzugeben. So polemisiert Le Bon durchaus heftig gegen Parlamente und stützt sich dabei auf Zeugen, die er noch nicht einmal namentlich nennen kann oder will.

Beim Lesen drängt sich mitunter der Eindruck auf, der Autor habe versucht, seine eigene Theorie umzusetzen und die Masse der Leser mit unbegründeten Behauptungen und deren Wiederholung zu beeinflussen. Dazu passt der bissige, polemische Stil. Negativ wirkt heute auch Le Bons Wortschatz. Der heutige Leser fühlt sich dabei bedenklich an die Rhetorik der Nationalsozialisten erinnert — die ja auch die Methode der Massenbeeinflussung so perfektionierten, dass man glauben könnte, Le Bons Werk habe ihnen als Lehrbuch gedient.

Mit der Französischen Revolution wurde in Frankreich die absolutistische Monarchie beseitigt. Die folgenden Jahre waren von heftigen politischen Unruhen geprägt; das Streben nach einem demokratischen Staat schlug bald in blutigen Terror um, der unzählige Menschen das Leben kostete. Zugleich war das Land immer wieder in Kriege verwickelt.

Bald verwandelte sich der Staat unter der Herrschaft Napoleon Bonapartes in eine Militärdiktatur. Nach dem Sturz Napoleons kehrte mit Ludwig XVIII. Bereits im März wurde er wiederum von Napoleon vertrieben, der sich jedoch schon im Juni nach der Schlacht bei Waterloo endgültig geschlagen geben musste.

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Nach Aufständen in Paris wurde Karl X. Im Februar brach in Paris erneut eine Revolution aus, wieder mit verheerenden Folgen: Unruhen, Terror, Hinrichtungen, politische Instabilität. Erst unter der autoritären Herrschaft von Kaiser Napoleon III. In der Dritten Republik ab blieb die politische Lage grundsätzlich stabil, die Auseinandersetzungen zwischen Sozialisten, Nationalisten und Monarchisten zogen sich jedoch noch über die folgenden Jahrzehnte hin.

So sah Frankreich innerhalb eines Jahrhunderts vier Revolutionen; die Menschen lebten mit Terror und Unterdrückung. Es bildet sich eine Gemeinschaftsseele. Der einzelne ist nicht mehr er selbst, er ist ein Automat geworden, dessen Betrieb seine Wille nicht mehr in der Gewalt hat. Zweifellos gibt es verbrecherische Massen, aber es gibt auch tugendhafte, heroische und noch viele andersartige Massen, schreibt Le Bon.

Sie sei deshalb, so le Bon, dem allein stehenden Menschen stets intellektuell untergeordnet. Sie ist also die Sklavin empfangener Anregungen. Da gibt es eine Szene, die wirklich unter die Haut geht. Sie spielt sich in Nazideutschland, in einem Gartenrestaurant ab. Die Sonne scheint, die Leute trinken ihr Bier, unterhalten sich, ein Tag wie jeder andere.

Die ganze Szene ist bei Youtube zu sehen, sowohl in der englischen als auch in der deutschen Sprachversion. Fazit: Man merkt dem Buch an, dass es vor Hundert Jahren geschrieben wurde, denn aus heutiger Sich ist nicht alles darin "politisch korrekt". Wie Le Bon es vorausgesagt hatte. Artikel von In den Warenkorb. Beschreibung Verlagstext Gustave Le Bon war ein französischer Arzt, Ethnologe, Soziologe und Psychologe.

Er gilt als Begründer der 'Massenpsychologie'. Sein berühmtes Werk 'Psychologie der Massen' übte einennachhaltigen Einfluss in der Wissenschaft und praktischen Politik aus. Erweiterte Suche. Ihr Warenkorb 0. Den neuen »Herold« vorbestellen! Aktuell Fachbuch-Bestseller Top Vorbesteller Geschenke SPIEGEL-Bestseller gute Bücher.

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