Psychologie machtspiele
Denn um Fassadentechniken, Imponiergehabe und verdeckte Appelle wieder aus Alltag und Unternehmenskultur zu verbannen, ist ein gutes Stück Arbeit nötig. Wissenschaftliche Untersuchungen der University of California in Berkeley haben ergeben, dass jene Fähigkeiten, die dazu führen, dass jemand eine Führungskraft wird, genau dann verloren gehen, sobald die machtvolle Position eine Weile ausgeübt wurde.
Es ist das Paradoxon der Macht. Umso wichtiger ist es, dass moderne Führungskräfte Machtspiele und Ähnliches von Anfang an ausbremsen. Nur wie? Zunächst geht es darum, zu klären, welche Fähigkeiten eine moderne Führungskraft überhaupt haben sollte: Eine echte Führungskraft sollte allen Mitarbeitern und Mitmenschen auf Augenhöhe begegnen.
Sie nutzt ihre hierarchische Macht nicht für den persönlichen Profit. Sie ist offen und ehrlich und — spielt keine Machtspiele! Dass eine gute Führungskraft sofort alle Machtspiele unterbinden kann, ist natürlich illusorisch — aber nicht unmöglich. Worauf es ankommt, ist, die Spielchen zu erkennen , anzusprechen ganz wichtig!
Wie das funktioniert, zeigen die folgenden drei Machtspielchen plus dazugehörige Strategien:. Das ist Vollbeschäftigung in Perfektion. Aufgaben reduzieren und dann ist Ruhe? Sorry, aber das klappt nicht. Das können Sie als Führungskraft tun: Um nebensächlichen Aufgaben nicht zu viel Wichtigkeit zukommen zu lassen und dadurch das eigentliche Arbeitspensum nicht zu schaffen, weil die unwichtigen Mails des entsprechenden Mitarbeiters Ihr Postfach zumüllen, sollten Sie so schnell wie möglich handeln.
Achtung, Schleimer-Alarm! Machtspiele wie Ganz wie Sie wünschen treten dann auf, wenn ein Mitarbeiter sich übergangen fühlt und das durch übertriebene Freundlichkeit mitteilen will. Oder: Der Chef hat die Mitarbeiter gefragt, ihre Antworten aber gekonnt ignoriert. Das ist wirklich nicht die feine Art und fördert Machtspiele immens.
Das können Sie als Führungskraft tun: Wer Machtspiele nach dem Motto Ganz wie Sie wünschen spielt, macht alles — nur nicht das, was der Chef wünscht. Fühlen sie sich verletzt oder verunsichert, so ziehen sie sich zurück, klagen den Partner an oder fangen an zu klammern. So entstehen destruktive Bindungsmuster, die häufig dem Bindungsmuster in ihrer Ursprungsfamilie gleichen. Interessanterweise wird genau das, was uns zu Beginn der Beziehung angezogen hat, sehr bald zum Zankapfel und Konfliktstoff.
Jeder ist für den anderen Träger derjenigen Aspekte seiner Persönlichkeit, die er leugnet und mit denen er nichts zu tun haben will. Als ich meinen Mann kennenlernte, war ich fasziniert von seiner Leichtigkeit und Unbeschwertheit. Doch schon bald fing ich an, ihn zu beschuldigen, dass er die Dinge zu leicht nehme und oberflächlich sei. Es kostete mich viel Zeit und Mühe, mich mir selbst zuzuwenden, statt mich gegen ihn zu stellen.
Was ich dort in meinem Inneren fand, war meine eigene Unfähigkeit, loszulassen, Kontrolle aufzugeben und spielerischer mit dem Leben umzugehen. Auch bei Helga und Sven wirkte das, was sie anfänglich gegenseitig anzog, sich schon bald gegenteilig aus. Helga ist Chefsekretärin bei einem renommierten Autokonzern. Darauf ist sie sehr stolz.
Die Wohnung hat sie mit schlichter Eleganz eingerichtet, und sie achtet sehr darauf, dass alles seine Ordnung hat. Als sie Sven bei einem Rockkonzert kennenlernt, schwebt sie im siebten Himmel. Sie bewundert seine Unbeschwertheit, seine Spontaneität und Lockerheit. Er ist Musiker, schreibt wunderschöne Lieder, und auch ihr widmet er nach der ersten gemeinsamen Nacht einen Song.
Helga entdeckt völlig neue Seiten an sich. Während sie bisher sehr häuslich war, zieht sie jetzt mit Sven um die Häuser, nimmt Klavierunterricht und geht tanzen. Dass Sven mit seinen zweiundvierzig Jahren noch in einem winzigen Apartment in seinem Elternhaus wohnt, stört sie nicht. Sven zieht bei ihr ein. Er ist angetan von der luxuriösen Wohnung, der tollen Frau und nimmt das Angebot gern an.
Machtspiele: Die Kunst sich durchzusetzen
Viel Gepäck bringt er nicht mit, ein paar Klamotten und seine Gitarren. Bald trüben die ersten Wolken das junge Liebesglück. Während Helga morgens um sechs aufstehen muss, liegt Sven oft bis Mittag noch im Bett. Und wenn sie abends zunehmend müde nach Hause kommt, sieht die Wohnung chaotisch aus. Sven ist ein Nachtmensch.
Oft ist er mit seiner Band unterwegs und kommt erst in den frühen Morgenstunden heim. Als Sven und seine Kumpels wieder einmal ihren Kühlschrank leer geräumt haben, platzt Helga der Kragen, und es kommt zum Streit. Beide sind zum Träger der Schattenseiten des jeweils anderen geworden. Jetzt ist Svens Unbeschwertheit und Lockerheit für Helga nicht mehr anziehend, sondern nur noch nervig.
Sie bezeichnet ihn als Chaoten und Traumtänzer, der sich wie die Made im Speck bei ihr eingenistet hat. Und Helgas Ordnungssinn wird von Sven als Zwanghaftigkeit und Pedanterie abgetan. Willkommen im Reich der Schattenprojektion. Alles, was uns am Partner stört und nervt, repräsentiert einen Schattenanteil von uns selbst.
Machtspiele auf der Chefetage – So entgehen Sie dem Haifischbecken
So geraten wir in polare Gegensätze wie aktiv — passiv, introvertiert — extravertiert, ordentlich — schlampig, Nähe suchend — Distanz suchend, geizig — verschwenderisch. Ein typisches Gesprächsmuster könnte dann so lauten: »Wenn du nicht so passiv wärst, müsste ich mich nicht ständig um alles kümmern. Beide schieben klassischerweise die Verantwortung für die angespannte Situation zum anderen und machen sich damit zum Opfer.
Und wer Opfer ist, kann nicht handeln. Die typischen Verhaltensweisen waren dann eben dieses Gesprächsverhalten und ob die Leute sich dafür entschieden haben, so eine Ölkatastrophe auszulösen oder nicht. Das wussten sie im Vorfeld, ob das passiert und das haben sie dann willentlich in Kauf genommen oder eben auch gezielt darauf verzichtet. Egoisten sind nicht immer erfolgreicher.
Krauter: Nehmen wir mal diese egoistischen Spieler zum Beispiel, die quasi ohne Rücksicht auf Verluste ihren eigenen Profit maximieren und so eine Ölpest riskieren. Waren die denn am Ende erfolgreicher im Spiel? Wolff: Normalerweise würde man erst mal denken, kurzfristig sind sie erfolgreicher, weil das auch so ein typisches Merkmal von sozialen Dilemmata ist: Der eigene Nutzen wird kurzfristig maximiert zulasten der Allgemeinheit.
Das traf allerdings auch nur bedingt zu. Also in Bezug auf ihre finanzielle Auszahlung hatten sie am Ende im Schnitt tatsächlich 40 Cent mehr pro Ölkatastrophe, was bei einer Gesamtauszahlung von 27 Euro jetzt nicht so stark ins Gewicht fällt, aber immerhin. Und sie wurden sogar von den Gruppenmitgliedern so wahrgenommen, als ob sie eine Führungsrolle übernommen hätten, was ihnen dann indirekt auch ein kleines bisschen geholfen hat in den Führungsbewertungen von den anderen.
Als Gruppe waren sie aber überhaupt nicht erfolgreicher, im Gegenteil. Da waren solche Gruppen, die sich einig waren, dass man am liebsten kooperieren sollte und die das dann auch getan haben, mit Abstand am erfolgreichsten. Und die beiden Gruppen mit der höchsten Leistung haben zum Beispiel überhaupt keine Ölkatastrophen auslösen müssen, um ihre hohe Leistung zu erreichen.
Krauter: Was verraten Ihre Befunde darüber, welche Eigenschaften eine erfolgreiche Führungskraft mitbringen soll? Denn darum ging es Ihnen ja letztlich: Zu klassifizieren, nach welchen Kriterien man da künftig Ausschau halten sollte. Wolff: Genau. Das ist auch gut so. Ohne Machtstrukturen würde Ihr Unternehmen genauso wenig funktionieren wie unsere Gesellschaft. Schwierig wird es aber, wenn Menschen ihre Macht missbrauchen.
Gerade im Berufsleben sind Machtspiele leider keine Seltenheit. Doch egal, ob im Verhältnis zu Vorgesetzten oder unter Kollegen — Sie sollten sich nicht darauf einlassen. Denn unfaire Taktiken vergiften das Betriebsklima und machen die Zusammenarbeit mit anderen auf Dauer unmöglich. Der wichtigste Schritt, um dagegen vorzugehen: Lernen Sie, die verschiedenen Strategien zu erkennen.
Wer von Macht spricht, meint häufig Machtmissbrauch. Doch was ist Macht eigentlich? Macht bezeichnet die Fähigkeit, auf andere Menschen oder auch auf Gruppen von Menschen im eigenen Sinne einzuwirken. Sofern z. Informations-, Wissens- oder Belohnungsmacht ausgenutzt werden, um andere Menschen zu Handlungen zu bewegen, die sie eigentlich nicht wollen, spricht man von Machtspiel oder Machtdemonstration.