Akzeptanz der psychologie im islam

Wenn er wegen seiner Arbeit nicht kommen kann, entschuldigt er sich vorher, was nur die Wenigsten tun. Er bereichert unsere Tref- fen, weil er sich intensiv mit seiner Lebensgeschichte und seinem Glauben einbringt. Er diskutiert gerne und agiert auffallend emotional, was ich nicht immer verstehe. Wir alle sind betroffen von seinen Schilderungen, fragen aber nicht nach.

Ich selbst fürchte, es könnte noch emotionaler werden, was ich vermeiden möchte, weil ich noch am Thema des Abends weiter arbeiten möchte. Er hätte ihn schon seit langer Zeit beantragt, doch seine Frau hätte es immer wieder zu verhindern gewusst, dass er die deutsche Staatsbürgerschaft bekommt. Beiläufig erwähnt er dann, er wolle auch gerne, dass seine Frau mit zu unseren Treffen komme, aber die hätte immer Ausreden.

Was seinen Einbürgerungswunsch anlangt, da sei ihm Frau R. Frau R. Ich sage ihm zu, mich um sein Anliegen zu kümmern. Am nächsten Tag setze ich mich mit Frau R. Dabei erfahre ich einiges, was ich bisher noch nicht wusste. Herr Z. Die beiden haben miteinander zwei Kinder. Das alles sei jedoch nur inszeniert, um gegen ihren Mann ein Druckmittel zu haben, denn sie fürchtet, er werde sie verlassen, sobald er die ersehnte Staats- bürgerschaft habe.

Sobald der Einbürgerungsbescheid ihres Mannes dann abgelehnt sei, würde sie jedes Mal wieder mit ihm zusammen ziehen. Bei der ersten Trennung hätten sie es sogar so weit getrie- ben, dass Herr Z. Danach zog seine Frau die Scheidung wieder zurück, und so hätte ihr Mann nach einigen Monaten wieder zurückkehren können.

Natürlich lebe Herr Z. Was sie besonders erstaunt hätte, selbst wenn Frau R. Im Augenblick sei es nun wieder soweit, dass Herr Z. Sie, Frau R. Das Gespräch mit Frau R. Ich denke, der arme Herr Z. Furchtbar, wenn man solche Erfah- rungen mit den Ausländergesetzen unseres Staates machen muss. Ist das in Ordnung? Dann ärgere ich mich über die Frau von Herrn Z.

Wie kann man nur so ein Theater veranstalten, denkt die denn gar nicht an die Kinder, die doch auch ihren Vater brauchen und sehr unter dem ständigen Hin und Her leiden. Ich setze mich noch am Nachmittag desselben Tages mit Frau N. Sie kennt die persönlichen Um- stände von Herrn Z. Auch sie ist der Meinung, das Verfahren müsse jetzt endlich mal geregelt werden.

Nur wegen der Frau Z. Ich stimme ihr zu und befürworte ihr geplantes Vorgehen. Einen Monat später. Beim nächsten Treffen unseres Ge- sprächskreises kommt Herr Z. Er hat endlich seinen deutschen Pass und bedankt sich für meine Hilfe. Mir scheint die Familie sehr harmonisch zu sein. Nochmals einige Monate später. Herrn Z. Seine Freunde berichten mir, dass er im Krankenhaus sei.

Als ich ihn besuch, finde ich ihn auf der Intensivstation vor. Zunächst fragt ein Pfleger, wer ich sei. Ich frage mich, wie das gehen soll, wo doch viele Lebensbereiche von Herrn Z. Nachdem Herr Z. Er ist halbseitig gelähmt, und ein Schlauch leitet Flüssigkeit aus seinem Kopf. Was Herr Z. Einiges gehe durcheinander. Ich finde Herrn Z. Er erzählt von seiner Krankheit und von seinen Sorgen um die Familie.

Er hätte schon seit Tagen nicht mehr geschlafen. Wir unterhalten uns eine Stunde und reden noch über den Glauben. Seine Frau erwähnen wir nicht. Der Pfleger, den ich später frage, erzählt, seine Frau würde Herrn Z. Der Besuch bei Herrn Z. Ständig überlegte ich, was darf ich sagen, was nicht und was könnte ihn aufregen? Er, der früher nur so vor Energie spritz- te, liegt nun so elend da.

Dabei ist er gerade einmal so alt wie ich. Und was wird aus den Kindern, die sind doch noch rela- tiv klein? Ich habe das Gefühl, das könnte mein letzter Be- such bei Herrn Z. Obwohl ich jede Woche in die Klinik gehe, um Menschen aus meinem Altersheim zu besuchen, vermeide ich in den folgenden vierzehn Tagen, bei Herrn Z. Ich nehme mir aber fest vor, ihn im nächsten Monat wieder zu besuchen.

Eher kann ich nicht. Beim nächsten Treffen unseres Gesprächskreises berichten Freunde, dass Herr Z. Wir beten gemeinsam für ihn und seine Familie. Damals war ich von der Lebensgeschichte Herrn Z. Heute ist mir klar, dass meine Emotionen die Sicht für die Komplexität seiner Lebens — und seiner Familiengeschichte behindert haben.

In unserem Ungang miteinander schien es vordergründig keine Rolle zu spielen, dass er Moslem ist und ich Christ. Wir diskutierten miteinander über unseren Glauben, doch immer so, dass es den anderen nicht verletzte. Mir fällt im Nachhinein auch auf, dass ich Herrn Z. Vieles, was noch ungeklärt war, schien mir klar zu sein.

So habe ich mich bzw. Ich habe nicht gefragt, wa- rum Frau Z. Fürchtete sie einen Machtverlust? Überhaupt steht Frau Z. Dabei wäre es sicher hilfrei- cher gewesen, sich um beide gemeinsam zu kümmern. Hätte sich dann der frühe Tod von Herrn Z. Wichtig wäre es gewesen, mit den Ehepartnern ihre Ängste und Vorbehalte gegeneinander zu besprechen. Wie haben sie überhaupt zu einander gefunden?

War es eine Liebesheirat oder wurden sie einander versprochen? Was bedeutet das für eine muslimische Frau? Würde sie jemals wieder ein anderer Mann heiraten? Je mehr ich über Herrn Z. Fragen, die sich nicht zuletzt auch durch unsere Herkunft aus unterschiedlichen Kultur- kreisen ergeben. Ich lerne für mich aus diesem Fall, dass es gut ist, reichlich Fragen zu stellen, Fragen zu den Brüchen, zum Glauben und Denken, zu den Gefühlen, zu den Ängsten, zu den Freuden, wenn ich mich um Menschen aus einem anderen Kulturkreis sorge.

Es ist gut zu fragen: »Wie ist es bei Euch?

Vortragsreihe – La Red

Natürlich ist es vor allem dann hilfreich, wenn wirkliche und ehrliche Antworten gegeben werden. Wie ist es für junge Menschen, von den Eltern einen Ehe- partner ausgesucht zu bekommen? Die Antworten werden vielfältig sein — je nachdem, ob eine 50 jährige Frau gefragt wird, die mit dem Mann, den sie auf Wunsch der Eltern hei- ratete, gut oder schlecht leben konnte — oder ob ein junges Mädchen gefragt wird, das noch nicht heiraten möchte, das aber von Eltern versorgt werden soll.

Es kommt auch darauf an, ob zu dieser Problematik alte oder junge Männer gefragt werden.

Islamische Arbeitsgemeinschaft für Sozial- und Erziehungsberufe e.V. – Presse & Links

Die Fragestellung lässt sich akademisch bearbeiten — über Befragungen und Statistiken, sie lässt sich spekulativ aus den Grundsätzen und Traditionen einer Gesellschaft lösen. Es kann behauptet werden, dass in traditionellen Gesellschaften kaum ein Weg besteht, wie sich junge Men- schen vor der Ehe treffen können — es sei denn, die Familien arrangieren das Treffen. Anders ist es gesellschaftlich nicht akzeptiert.

Die Rolle der Eltern für die generelle Auswahl des Le- bensweges der Kinder ist in der Welt sehr verschieden defi- niert. Die Dominanz der Eltern für den Lebensweg der Kin- der ist auch in westlichen Gesellschaften durchaus vorhanden, und sei es über die Auswahl der Schulen und informellen Bildungsmöglichkeiten, die schon den Kindern zur Verfügung stehen.

Dieses eine Beispiel mit seiner breiten Ausfächerung soll il- lustrieren, wie schwer es ist, die fremd wirkenden Verhal- tensmuster einer anderen Kultur in ihren verschiedenen Zu- sammenhängen zu verstehen. In Deutschland diskutiert man eifrig pädagogische Fragen unter Eltern heranwachsender Kinder, bedenkt Berufs — und Entwicklungschancen. Den Muslimen, besonders in den nicht so »westlichen« Gesell- schaften, wird allzu leicht unterstellt, dass sie wenig bis keine Zukunftserwartungen — und hoffnungen für ihre Kinder he- gen.

Es wird schnell unter dem Gesichtspunkt »Zwangsmass- nahme« gesehen, was sicherlich im Einzelfall mehr unter das Stichwort »Tradition« gehören mag und eventuell durchaus mit positiven Gefühlen für die Kinder verbunden ist. Zeit, Gespräche mit Muslimen, Phantasie und die Bereit- schaft, die eigene Tradition nicht als Selbstverständlichkeit stehen zu lassen, während andere Traditionen kritisch gese- hen werden, gehören hier zum Dialog.

Was bedeutet innerhalb eines bestimmten Kontextes ein Ausweis-Dokument? Der deutsche Pass? Der Pass des Lan- des, das verlassen wurde? Was bedeutet eine »Rückführung« für einen Asylbewerber, der seit 18 Jahren Duldung im Gast- land erfahren hat, dort aufgewachsen ist, zur Schule ging und das Herkunftsland, dessen Pass er wider Willen besitzt, nicht kennt?

Es hilft auf jeden Fall, zu sagen: »Das verstehe ich nicht. Alle Aufklärung über Ritualgebe- te und Glaubensbekenntnisse der Muslime sollte nicht dazu führen, als Nicht-Muslim eine Funktion zu übernehmen, die nur Eingeweihten zugänglich ist. Sie können oft sehr schwer ersetzt werden, bei aller Bereitschaft, beizustehen, zu trösten und zu helfen — dies kann als Nicht- Ernst-Nehmen des Menschen und des muslimischen Glau- bens empfunden, als Kränkung gewertet werden.

Verstehen ist nie mit Vereinnahmen gleichzusetzen. Reflexionen zu dieser Thematik haben Kurt Schmidt und Gisela Egler58 veröffentlicht: »Stellen wir uns nun vor, eine Krankenschwester macht die protestantische Seelsorgerin auf eine schwerkranke Muslimin aufmerksam, die im Krankenhaus keinen Bezug zu muslimischen Verwandten hat. Es entwickelt sich ein Vertrauensverhältnis zwischen beiden und die Frage steht im Raum, ob ein gemeinsames Gebet für die Heilung der Kranken möglich ist.

Diese Situationsbeschreibung ver- deutlicht bereits, dass das gemeinsame Gebet keine abs- trakte Sache ist. Das gemeinsame Gebet unterstreicht die Nähe und die Begleitung, die Hoffnung, die guten Wünsche, aber — und das ist der entscheidende Punkt — es ist dadurch keine Demonstration einer generellen Einheit zweier Religio- nen. Dies führt zu folgender Einschätzung: Grundsätzlich kann aus protestantischer Sicht die interreligiöse Seelsor- ge alles beinhalten, was im Respekt voreinander oder vor Gott aus ganzem Herzen geschieht und heilsam ist.

Für gläubige Muslime beginnt und endet das Leben mit dem Bezug zu Gott. Deshalb wird er, wenn er irgend kann, noch das von klein auf gelernte Glaubensbe- kenntnis sprechen. Dieser Sprechakt ist vergleichbar mit der Taufe als Eingangsritual in den christ- lichen Glauben. Deshalb gibt es hier eine Grenze des Verste- hens und der Begleitung, die zu respektieren ist.

Es wurde versucht, zu erklären, wie islamische Zugänge zu moderner, naturwissenschaftlich ge- prägter Medizin aussehen können. Dies konnte nur in einem Rahmen geschehen, in dem Aspekte beschrieben wurden. Diese Aspekte gleichen Momentaufnahmen, sie sind Fokus- sierungen auf bestimmte Phänomene, und sie sind gleichzeitig nur ein Ausschnitt aus vielen Überlegungen.

Seelsorge im Islam, soweit sie an normativen Quellen aus Koran und Sunna gebunden ist, kam in Eigen-Beschreibungen zu Wort. Seelsorge im Islam, aber mit den Implikationen modernen, westlich-psychologischen Denkens wurde als Möglichkeit an den Horizont der Überlegungen gestellt. Seel- sorge innerhalb der vielfältigen Tendenzen der islamischen Mystik wurde aus Quellen referiert.

Erste Eindrücke aus Beispielen interkultureller Begeg- nungspraxis wurden im vorhergehenden Kapitel vorgestellt und in ihren Facetten und Rahmenbedingungen diskutiert. Im Folgenden soll nun ein genauerer Blick auf die Praxis von Beratung und Seelsorge im Kontext der islamisch- christlichen Begegnung geworfen werden. Es geht um die Beratung bi-religiöser und bi-kultureller Familien, es geht um das Kennen lernen islamischer helfender Institutionen im christlich geprägten Umfeld Deutschlands.

Kranken- häuser, vor allem solche, die Langzeitpatienten aufnehmen, Psychiatrien, Altersheime werden auf ihre multikulturelle Praxis hin untersucht werden. Letztlich wird die Frage ge- stellt werden, inwieweit die »Fragmentierung des Lebens einzelner Menschen in Institutionen«, wie sie in Deutschland in sozialen Einrichtungen praktiziert wird, dem islamischen Lebensgefühl entgegensteht, einem Menschenbild, das den Menschen als Familienwesen anspricht, einer Vorstellung von sozialem Verhalten, die aus Familientraditionen entwachsen ist.

Nicht zuletzt haben unterschiedliche soziale Konzepte unterschiedliche Rechtsgrundlagen und Rechtsgrundsätze, nach denen — oft erst durch Erfahrungen der Praxis — zu fra- gen ist. Christlich-muslimische Vereinigungen und Beratungsstellen für bikulturelle Paare und Familien bemühen sich, Wege für eine gelebte spirituelle Begegnung beider Religionen innerhalb des kleinen Rahmens von Familien und Partnerschaften zu finden.

Beziehungs- und Machtfragen und Genderprobleme mi- schen sich hier mit religiösen und kulturellen Fragestellungen. Vermischt werden durch Kleidung und Habitus hergestellte religiöse Schablonenvorstellungen mit religiös und theolo- gisch substantieller Auseinandersetzung. Deshalb erfragt sie daneben den Familienstatus beider Partner aus den Her- kunftsfamilien wie viele Geschwister?

Sie alle kommen zusammen, um Charakter- eigenschaften von Menschen zu prägen. Die Ehefrau ist deutsche katholische Christin, 35 Jahre alt, der Ehemann ein tunesischer Muslim, 39 Jahre. Die beiden Eheleute verstehen sich durchschnittlich gut, sie haben Höhen und Tiefen in ihrer Partnerschaft hinter sich wie in den meisten Paarbeziehungen, und jetzt kom- men die beiden mit zwei Fragen zu mir in die Beratung: Erstens die unterschiedliche Auffassung zum Thema Reli- gionsunterricht der Tochter.

Sie kommt gerade in die Schule, und es geht darum, welchen Religionsunterricht sie besuchen darf, soll, will — und überhaupt. Der Sohn ist mittlerweile zwei Jahre alt und noch nicht beschnitten. Die Frau möchte gern, dass er ge- tauft wird, und der Mann möchte natürlich, dass er be- schnitten wird. Es stellt sich heraus, wie bei so vielen Paa- ren, dass Religion bis zur Geburt der Kinder kein Thema war.

Sie haben sich über vieles — auch über die Zukunft — Gedanken gemacht und sich auch mit den Herkunftskul- turen und -familien beschäftigt. Das Thema Religion war für beide nicht so wichtig und wurde daher nicht beson- ders diskutiert. Da das erste Kind ein Mädchen war, ka- men sie um das Thema Beschneidung herum. Genauso ist es mit der Beschneidung des Sohnes, weil der Heimatbesuch bei der tunesischen Familie ansteht.

Es ist für den Vater unmöglich, mit dem unbeschnittenen Sohn nach Tunesien zu reisen«. Es könnten hinter den religiösen Auffassungen Fragen nach der Durchsetzungs- fähigkeit des einen oder anderen Partners stehen, oder es könnten Modalitäten der üblichen Kommunikation zwischen beiden deutlich werden. Es geht auch für das Paar darum, gemeinsame Wertvorstel- lungen für die Erziehung der Kinder zu erarbeiten, die ihre kulturellen Hintergründe umgreifen.

Auf jeden Fall gibt es in allen Problemen keine Patentrezepte, sondern die beiden müssen mit ihren Vorgaben individuelle Lösungen finden. Durch die Kinder, insbesondere das erste Kind, wird die Meinung der Herkunftsfamilien und deren Einstellung zu Religion wieder aktuell, auch wenn beispielsweise die muslimische und die christliche Seite gar nicht religiös sind; mit den Enkelkindern wird diese Frage wieder wich- tig.

Beide Part- ner haben den Wunsch, es ihrer Familie recht zu machen und dem sozialen Umfeld gegenüber ihr Gesicht zu wah- ren Ich gebe dem Paar zu bedenken, dass wir als interreligiöse Familien die Chance haben, für unsere Kinder und unser Umfeld ein Modell für Toleranz und Verständigung zu sein. Dabei ist es für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig, dass wir nicht über Nebensächlichkeiten streiten, auch wenn es gerade im Moment sehr aktuell ist.

Wir sollten statt dessen den Kindern vorleben, dass es um viel wichtigere Dinge geht, die die Religionen mitzuteilen ha- ben, also um das Wesentliche, den Kern der Religion. Zentral bleibt in jedem Fall, dass die Kinder beide Religi- onen kennen lernen sollten und soviel wie möglich miter- leben z.

Natürlich wird unser Umfeld dominiert von der christ- lich-abendländischen Religion und Kultur. Kompromissbereitschaft und Toleranz sind dabei wichtige Faktoren. Taufe oder Beschneidung? Seelsorge wird hier als »kulturell sensible« Seelsorge dann eine Chance haben, wenn es ihr gelingt, die unterschiedlichen kulturellen Muster und Ausdrucksformen des Glaubens in einen offenen Kommunikationszusammenhang zu bringen.

Es muss ermöglicht werden, dass alle bei ihren erlernten Tradi- tionen verbleiben können, ohne deren Substanz preis zu ge- ben, dass sie aber andererseits ohne Angst »über den Teller- rand« schauen können. Dies ist, wie derzeit erst langsam erkannt wird, eine brennende soziale Frage, die politisch gelöst werden muss. Muslime und Christen sehen sich in Ausübung ihrer Religion vielen gemeinsamen Heraus- forderungen gegenüber, die Gesellschaften mit weitgehender säkularer Prägung jeder Religionsausübung entgegen bringen.

Hierzu gibt es traditionelle religiöse Vorstellungen im Umkreis des islamischen Gedankens der »Wohlfahrt«: »Das islamische Wohlfahrtswesen ist genauso breit ge- fächert und hat im Laufe der Jahrhunderte ebenso unter- schiedliche Ausprägungen erfahren wie sein christliches Pendant. Allein die Untersuchung des islamischen Stif- tungswesens könnte zu dem Schluss verleiten, diesem käme eine universelle Bedeutung im Islam zu.

Im weiteren Verlauf ihrer Recherchen bemerkt sie: »Auch der Gedanke eines Zusammenspiels von körper- licher Heilung und geistlichem Heil von Patienten ist angesichts der modernen Medizin in den Hintergrund getreten Im Folgenden soll untersucht und referiert wer- den, welche Hinweise Beinhauer — Köhler für diesen speziel- len Aspekt der »Wohlfahrt« im Islam gibt.

Durch den Koran selbst ist festgelegt, dass der Mensch als die Krone der Schöpfung Statthalter Khalifa Gottes ist. Es wurde bereits erwähnt, dass in der Zuordnung der beiden Teile bzw. Hierzu bemerkt Beinhauer — Köhler: »Auch andere Zeugnisse des islamischen Geisteslebens illustrieren die herausragende Rolle der seelisch — geisti- gen Komponente des menschlichen Wesens, so betont der Verfasser einer berühmten Kosmologie, al — Qazwini ca.

Vermutlich liegt es am alltagsorientierten Charakter der Gattung Hadith72, dass Überlegungen zur menschlichen Seele dort weniger Raum einnehmen. Es gilt, den Glauben in jeder Hinsicht zu stärken und zu praktizieren. Entscheidend für die Ausübung der Frömmigkeit ist nicht nur die Seelenqualität des Einzelnen, sondern auch das angemessene soziale wie religiöse Leben der Gemeinschaft, der Umma.

Über die Zakat hinaus ist es jedem Muslim freigestellt, weitere Almosen Sadaqa zu geben. Für die Umma besteht das Ideal eines allgemeinen Wohlergehens, wo das Wohl der Gemeinschaft maslaha vor das des Einzelnen gestellt wird. Jahrhundert wurden vielfach in islami- schen Ländern europäische Gedanken rezipiert, darunter auch der Sozialismus.

Auf dem Hintergrund des koranischen »Um- ma«-Gedankens wurden politische islamisch-sozialistische Vorstellungen entwickelt, die in verschiedenen Ländern noch heute zur herrschenden Staats-Ideologie zählen. Beinhauer-Köhler untersucht in ihrer Studie die Aspekte von Hilfeleistungen innerhalb ausgesuchter islamischer Ge- meinden in Deutschland und islamischer internationaler Hilfsorganisationen.

Die Verteilung von Geldern aus der Zakat, von Opferfest und Sadaqa, werden beschrieben. Es werden Projekte genannt, in die diese Hilfe in aller Welt fliesst. Besonders bei internationalen Hilfsorganisationen wie »Humanity First« wird darauf Wert gelegt, dass keine Hilfe- leistungen für einen militant verstandenen Gihad gegeben werden. Dies scheint hier besonders interessant, weil die gegenseitige Verbundenheit zwischen Muslimen in der Türkei und den in Deutschland lebenden Muslimen noch hoch ist.

Im Rahmen des praktizierten Entsende-Verfahrens für die in Deutschland tätigen Imame ist es von Bedeutung, den Wissens- und Pra- xisstand von Beratung im Rahmen religiöser Begleitung in der Türkei zu kennen. Da die Dienstleistungen der frei- willigen Organisationen sowie der Akademien einen Un- tersuchungsbereich für sich darstellen, wird sich dieser Beitrag auf die praktischen Dienste des Amtes für Religi- öse Angelegenheiten für die Gesellschaft beschränken Wie allgemein bekannt ist, ist Religion ein Mittel, »das notwendige Kommunikationssysteme bereitstellt, die da- zu dienen, den Sinn des Lebens zu bereichern, das Leben menschenwürdig zu gestalten sowie zur besseren gegen- seitigen Verständigung der Menschen beizutragen.

Er selbst stellt fest: »Wenn die Gesellschaft in Bezug auf Religion nicht rich- tig aufgeklärt wird oder die Aufklärung durch inkompe- tente Personen erfolgt, so entsteht in der Gesellschaft statt Harmonie und Frieden Chaos, statt Toleranz Fanatismus, statt der Freiheit der Menschen der Verfall in Form des Aberglaubens«. Sie versuchen, die Probleme der Menschen unter dem Gesichtspunkt des Islam zu lösen.

Des Weiteren leisten sie den Menschen bei famili- ären Auseinandersetzungen, Krankheit und Tod Beistand, beten bei Hochzeiten, Trauungen und Beschneidungen oder vollziehen religiöse Trauungen. Die Abteilungen, die religiöse Führungs- und Beratungs- dienste anbieten, sind das Hohe Amt für Religiöse Ange- legenheiten, das Amt für Muftis, Moscheen, Veranstalter von Korankursen, Krankenhäuser, Gefängnisse, Waisen- häuser, Heime für schwer erziehbare Kinder und Alten- heime.

An das Hohe Amt für Religiöse Angelegenheiten wenden sich täglich Hunderte von Personen per Telefon, Email, Post und persönlich. Ihnen werden unter Berücksichti- gung ihres Bildungsstandes sowie ihrer sozialen und psy- chologischen Voraussetzungen religiöses Wissen, Rat- schläge und psychologische Hilfe vermittelt. Täglich erhält das Amt für Religiöse Angelegenheiten ca.

Darüber hinaus erhielt man ca. Auch die Ämter der Muftis leisten in diesem Rahmen Dienste. Schriftliche Fragen, die an diese Ämter gerichtet werden, sind oft problematischer sozialer Natur und werden registriert. Absolventinnen der Theologischen Fakultät, die in den Bezirksämtern der Muftis als Fachberaterinnen für Glau- bensangelegenheiten arbeiten, bieten hauptsächlich Füh- rungs- und Beratungsdienste für Frauen an.

Diese Dienst- leistung ist für Frauen, die von den in den Moscheen angebotenen Diensten nicht ausreichend profitieren kön- nen, von lebenswichtiger Notwendigkeit. Derzeit sind in 55 Bezirken Fachberaterinnen tätig. Zum gegenwärtigen Stand der Informa- tion ist es allerdings eher sinnvoll, sich auf den von Colak dargestellten Rahmen von »islamischer Hilfe« zu beziehen und ihn vor allen in seiner sozialen und geistigen Einbettung in die derzeitige Situation der Türkei zu stellen.

Colak selbst bemerkt: »Wir sind der Überzeugung, dass diese Aufzeichnungen ein ergiebiges Feld für Forscher hinsichtlich der Probleme unseres Landes darstellen«. Männliche und weibliche Beauftragte arbeiten seit für die Resozialisierung von Angeklagten und Straftätern in verschiedenen Formen von Gefängnissen. Moscheebeauftragte haben einen weiten Aufgabenkatalog von sozialen Diensten über religiöse Begleitung an den Wen- depunkten des Lebens.

Sie sollen Schulen, Krankenhäuser, Waisenhäuser und Altenheime besuchen, sie sollen helfen und beraten bei der Vorbereitung und Durchführung der Pilger- fahrten, sie sollen sich um Räume und Gebäude kümmern. Es sollte erwähnt werden, dass das Wissen und die Erfahrung unserer Mitarbeiter in diesen Bereichen nicht ausreichend sind.

Für eine optimale Zusammenarbeit ist es sinnvoll, wenn TherapeutInnen Werte, Normen und Traditionen des Islam kennen und berücksichtigen. Eine solche "kultursensible Psychotherapie". Wie Bransi berichtet, bestehen bei Moslems gegenüber psychoanalytischen und gruppentherapeutischen Verfahren u.

Erfolgversprechend sind demgegenüber "v. Dies kann z. In: Oskamp Hrsg. Reich, Wilhelm : Die Massenpsychologie des Faschismus. Rippl, Susanne : Vorurteile und persönliche Beziehungen zwischen Ost- und Westdeutschen. Eine vergleichende Analyse. Schiff er, Sabine : Der Islam in deutschen Medien. Eine anwendungsorientierte Einführung in die Kausalanalyse mit Hilfe von AMOS, SmartPLS und SPSS.

Winkler, Jürgen R. Befunde einer international vergleichenden Studie. In: Aus Politik und Zeitgeschichte, B. Eine Bilanz. Opladen: 38— Download references. You can also search for this author in PubMed Google Scholar. Reprints and Permissions. Yendell, A. Muslime unerwünscht? Zur Akzeptanz des Islam und dessen Angehörigen. Ein Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland.

Vom Umgang mit Muslimen

In: Pickel, G. Politik und Religion. Springer VS, Wiesbaden. Published : 23 November Publisher Name : Springer VS, Wiesbaden. Print ISBN : Online ISBN : Anyone you share the following link with will be able to read this content:. Sorry, a shareable link is not currently available for this article. Juni , Helfer können sie in vielfältiger Form unterstützen.

Manchmal wird aus einem Flüchtling selbst ein Helfer. Unterstützung für traumatisierte Flüchtlinge erforderlich. Eine muslimische Psychologin aus dem Rhein-Main-Gebiet wünscht sich, dass diese Menschen schneller Hilfe erhalten — auch, damit Integration besser funktioniert. Hier ging sie zur Schule und studierte. Heute behandelt sie Patienten aus aller Welt — vor allem Muslime haben bei ihr keine Berührungsängste.

Unser Beitrag handelt von Muhammad s. Die Ehe und die Familie sind der Ort, an dem man so ist wie man ist, wo man sich auf Dauer nicht verstellen kann. Sie sollen auch ein Ort sein, wo man sich entspannen kann, wo man so angenommen werden kann wie man ist, auch mit seinen schwierigen Seiten. Wie war Muhammad s.

Es handelt sich dabei um eine spannende Frage, da er eben nicht nur eine, sondern insgesamt 12 Ehefrauen hatte. Welche Herausforderungen hatte er zu meistern, wie sahen seine Lösungen aus? Jede Frau war eine andere Persönlichkeit mit eigenen Hoffnungen und Erwartungen, alle kamen aus unterschiedlichen sozialen, historischen und geographischen Gegebenheiten. Viele können damit nicht umgehen.