Jemanden bei seinem namen nennen psychologie vertrauen
Aber es bringt nichts", sagt Stefan Ziller. Ich bin Professor für Kommunikations- und Medienpsychologie an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Vor 40 Jahren habe ich hier meinen Studienabschluss gemacht. Da hatte die Innenstadt noch sichtbare Kriegswunden, heute ist vieles anders und schick. Tobias Rothmund wohnt in Leipzig und pendelt, wenn nicht gerade Corona ist, nach Jena.
Denn alle wollen unser Vertrauen, sind vielleicht sogar vertrauenswürdig, aber wir wollen es nicht geben. Sind wir verletzlicher geworden? Zugleich muss ich darauf vertrauen, dass ich in meiner Verletzlichkeit nicht zu sehr beschädigt werde. Bedrohung von althergebrachten Überzeugungen, Bedrohungen im Sinne des Klimawandels, viele Veränderungen, deswegen möglicherweise auch eine höhere Verletzlichkeit haben, also mehr Vertrauen benötigen, um mit dieser Verletzlichkeit umgehen zu können.
Und die wirken wie Verstärker. Das ist sicherlich dieser Negativitätsbias in den Medien, wie wir sagen würden, der trägt auch dazu bei, dass die Vertrauensbereitschaft sinkt. Im öffentlichen Leben, sagt der Psychologe Tobias Rothmund, ist der Vertrauensbegriff aber gar nicht so geeignet. Und ich glaube, die Krise des Vertrauens, über die wir reden, ist auch in Teilen eine Krise in der Selbstwirksamkeitsüberzeugung.
Wir leiden im Prinzip an einer Sorge, dass uns diese Selbstwirksamkeitsüberzeugungen verloren gehen, dass wir hier das Gefühl der Steuerung, der Steuerungsmöglichkeiten verloren haben und auch nicht mehr darin vertrauen, dass unsere Politikerinnen diese Steuerungsmacht besitzen. In autokratischen Systemen wird die Handlungsmacht allein den Führern zugeschrieben.
Anders in Demokratien. Politiker und Politikerinnen gehören zu den Berufsgruppen, denen wenig Vertrauen entgegengebracht wird. Wovon hängt es überhaupt ab, ob wir ihnen vertrauen? Es geht um Wärme und Kompetenz, erklärt Tobias Rothmund: "Die Wärmedimension drückt sich in dem Wohlwollen aus, das Menschen in Politikerinnen wahrnehmen, wie integer sie wahrgenommen werden. Kompetenz auf der anderen Seite, fachliche Kompetenz, aber auch Durchsetzungsvermögen von Politikerinnen.
Und das sind so zwei zentrale Dimensionen, die durchaus auch unterschiedlich ausfallen können. Bestimmten Personen wird viel Vertrauen gegenüber gebracht, weil sie eben als besonders fachlich kompetent wahrgenommen werden, vielleicht ein bisschen hölzern, das macht dann vielleicht auch nicht so viel aus. Anderen wird viel Wärme zugeschrieben. Denn das braucht Zeit, und die gestehen wir meist nicht zu, vor allem nicht der Politik.
Es ist eine Art Persönlichkeitsmerkmal. Menschen unterscheiden sich darin, wie bereitwillig sie Vertrauen geben. Da brauchen wir eigentlich Vertrauen, um das Chaos gelassen zu sortieren, aber wir geizen damit. Doch die Kontrolle überfordert uns — denken Sie nur an Finanzprodukte und Datenschutz. Vertrauen als Alternative!
Das wäre nicht nur naiv, damit würden wir diese Ressource auch überstrapazieren. Ein Dilemma.
Über ein riskantes Gefühl
Wir können gar nicht anders. Und das ist auch so ein motivationaler Aspekt. Vertrauen ist praktisch fast schon ein Bedürfnis oder eine Notwendigkeit. Berlin-Kreuzberg, auf der Admiralbrücke. Die Luft ist Cannabis-geschwängert, als gäbe es um die Ecke eine Hanfplantage. Ich bin 17 Jahre alt, und ich bin Pressesprecherin von Fridays for Future Berlin. Ich gehe noch zur Schule, mache jetzt Abitur.
Ich mache aber auch ganz viel anderes. Zum Beispiel Obdachlosenhilfe. Ich bin auch Tänzerin. Das kann man natürlich auch übertragen auf Politik. Aber Vertrauen ist erst mal so ein Grundsicherheitsgefühl und einfach auch eine Art von Freiheit. Hat jemand, der freitags, statt zur Schule zu gehen, für das Klima streikt, der sich zu zivilem Ungehorsam und Widerstand bekennt, noch Vertrauen in die Politik?
Und ich finde, solange wir bei der Politik was anmerken können und darauf wird reagiert, angemessen reagiert und logisch reagiert, so lange kann ich der Politik auch vertrauen. Vor allem, weil wir einfach schon Ewigkeiten Dinge fordern, die schon seit 30 Jahren bekannt sind und um die es gar keine Diskussion mehr geben sollte. Und dass nichts passiert, hat für mich keinen logischen Grund mehr, sondern es ist einfach Egoismus, Verdrängung und vor allem auch, dass einfach alle nur kurzfristig denken und nicht in die Zukunft denken.
Hannah ist überzeugt, vieles könnte schnell geändert werden. Stattdessen: quälend langsame Veränderungen und leere Versprechen — wie der Kohleausstieg Diese Verantwortung lässt sich nur tragen, wenn man sie mit Menschen teilt, die einander unterstützen. In meiner politischen Arbeit ist es ähnlich. Ich teile meine Lebenserfahrung, meine Meinungen und meine Gedanken.
Man diskutiert nicht selten über schwierige Themen, über Diskriminierung und Missstände. Dort ist es wichtig, ehrlich und direkt zu sein und die Dinge beim Namen nennen zu können. Ich bin Mutter, Ärztin und Politikerin. Man kann also definitiv sagen, dass ich ausgelastet bin. Deshalb ist es für mich unentbehrlich, mich zu Hause fallenlassen zu können und zu wissen, wir unterstützen uns, egal was passiert.
Ich tendiere dazu, die Dinge schnell in Gut und Böse einzuteilen und Menschen in eine dieser beiden Schubladen zu stecken. So funktioniert es aber in der Realität nicht. Heute gebe ich mir selbst mehr Zeit, um die Situation abzuwägen. Wenn es sich wirklich um einen gravierenden Vertrauensbruch handelt, dann ziehe ich mich zurück.
Heute gebe ich mir mehr Zeit, um meine Seele von der Enttäuschung heilen zu lassen. Vor allem, um Missverständnisse zu vermeiden oder auszuräumen. Ich versuche ich selbst zu sein, authentisch zu sein. Ich sage, was ich meine, glaube, fühle und ich versuche offen mit Fehlern umzugehen. Madita Haustein ist 39 Jahre alt, Mutter, Podcasterin und queer. Ihre Familie spielt für sie die Hauptrolle in ihrem Leben.
Mit ihrem vierjährigen Sohn, ihrer siebenjährigen Tochter, ihrer Frau und den zwei Katzen bilden sie eine Regenbogenfamilie. Sie stellt verschiedene Familien vor und diskutiert mit ihnen über politische, gesellschaftliche und private Themen. Ich denke, dass ich ein ganz gutes Gespür dafür habe, wem ich vertrauen kann und wem eher nicht.
Menschen, die mir offen und warmherzig begegnen, gewinnen mein Vertrauen daher schnell. Bisher konnte ich mich auf meine Menschenkenntnis gut verlassen und wurde nur selten enttäuscht. Im Gegenteil: Weil wir uns vertrauen, kann auch jede ihr eigenes Ding machen. Bei einem Vertrauensmissbrauch bin ich sehr nachtragend und verletzt. Natürlich kann ich auch eine Entschuldigung annehmen und der Person eine zweite Chance geben, aber die Vertrauensbasis hat einen Knacks.
Es muss nicht immer physische Nähe sein. Ich habe auch schon auf digitaler Ebene leicht Vertrauen aufbauen können. Wenn ich das Gefühl habe, dass sich eine Person für mich und meine Bedürfnisse interessiert, möchte ich die Verbindung zu ihr gerne pflegen und stärken. Um Peinlichkeiten zu vermeiden werden die Namen nach Möglichkeiten vermieden. Der neue Internetstil.
So ein Stil kann in andere Bereiche des Alltags weitergetragen werden. Ich habe einen Arbeitskollegen er ist Vorgesetzter, Gott sei Dank nicht meiner , der es einfach nicht für notwendig hält, sich die Namen seiner Mitarbeiter zu merken v. Untergebene, aber auch jüngere Gleichrangige. Ich persönlich halte so ein Verhalten für absolut inakzeptabel.
Also sollten Menschen erst recht mit dem Namen angesprochen werden. Die ständige Anrede mit Namen halte ich persönlich an eine Anbiederei, die je nach Intensität schon die Grenze zur Unverschämtheit überschreitet. Vor lauter Wut habe ich dann umgeschaltet. Anonyme Anrede des Gegenübers Wissenschaft Psychologie. Danke für eure Antworten und einen guten Rutsch ins Neue Jahr, Christof. Alles aber, was in bildlichem Sinne getan oder gesagt wird, ist keine Lüge.
Rösel: "Diese Geschichten sind auch keine Aufforderungen zum bedingungslosen Lügen. Und die Geschichten werden auch immer damit kontrastiert, dass das positive und das negative Ergebnis der Lüge hintereinander erzählt wird. Also die Geschichten werden immer gebrochen und sind damit keine direkte Handlungsanweisung.
Sondern was sie erzählen wollen ist: Es gibt Grund, auf Gott zu vertrauen. Rösel: "Im Alten Testament gibt es keine strikte Ethik, die eben sagt, du musst genau dies tun und genau jenes lassen, sondern man muss das tun, was der Gemeinschaft dient, man hat also einen Platz in der Gesellschaft, den muss man ausfüllen, und wenn man diesen Platz ausfüllt, wenn man gut tut, dann wird man auch Gutes erlangen.
Dass im Alten Testament gelogen wird und mit Gottes Hilfe trotzdem alles gut wird bezeichnet der evangelische Theologen und Ethiker Rochus Leonhard als Wette auf die Zukunft. Er hält sich damit an Martin Luther. Der nennt eine Lüge, die dem Erhalt des Volkes Israel oder einzelner Protagnisten dient, sogar ein Werk der Nächstenliebe, "officium caritatis". Auf der anderen Seite gibt es eben die so genannte Notlüge, wo ich sage: es ist für die Gesamtsituation besser, wenn ich jetzt mal nicht bei der Wahrheit bleibe.
Und ob es tatsächlich so ist, dass es besser ist oder ob ich nicht besser doch gleich die Wahrheit gesagt hätte, das wird sich erst in der Zukunft zeigen, die ich jetzt aber noch nicht kenne. Da wir das im Moment des Sprechens aber noch nicht wissen, bleibt ein Unbehagen. Leonhardt: "Luther würde nicht sagen: Deshalb ist Lüge grundsätzlich keine Sünde mehr, sondern er würde sagen: Dieses Unbehagen, bevor wir wissen, wie es ausgegangen ist, das bleibt natürlich, und wir können mit diesem Unbehagen aber zurechtkommen, im Glauben daran, in der Hoffnung darauf, dass Gott, der ja für Luther an der Stelle ganz wichtig ist, das zu einem guten Ende bringen wird.
Das Matthäus-Evangelium erzählt die Leidensgeschichte Jesu. Am Rande des Geschehens findet ein menschlich und moralisch gewichtiges Ereignis statt. Simon Petrus steckt in der Klemme. Oder besser: In höchster Gefahr. Jahrelang hat er Jesus, seinen Lehrer und Freund begleitet und ihm gerade noch die ewige Treue zugesagt; jetzt bekommt er Angst.
Als er aber zur Tür hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth. Und er leugnete abermals und schwor dazu: Ich kenne den Menschen nicht. Und über eine kleine Weile traten die hinzu, die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrlich, du bist auch einer von denen, denn deine Sprache verrät dich.
Da hob er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne diesen Menschen nicht! Und alsbald krähte der Hahn. Petrus stellt sich dumm, er flucht, er lügt. Und als der Hahn kräht, fällt es ihm wieder ein: Er wollte treuer sein als alle anderen. Er wollte herausragen aus der Reihe der Apostel und Vorbild an Stärke sein.
Da dachte Petrus an die Worte Jesu, da er zu ihm sagte: Ehe der Hahn krähen wird, wirst du mich dreimal verleugnen. Und ging hinaus und weinte bitterlich. Aus dem Matthäus-Evangelium. Rösel: "Petrus hat sich da in eine Dilemma-Situation hinein manövriert. Er ist der Einzige, der mitgegangen ist, das ist der positive Aspekt der Geschichte, der häufig nicht mit erzählt wird: Er ist mit Jesus mitgegangen, wollte sehen, was mit Jesus geschieht, vielleicht ob er helfen kann — also das, was man Nachfolge nennt.
Und er hat sich dadurch in eine Situation hineingebracht, in der er einerseits für Jesus nichts tun konnte, andererseits sich selber in Gefahr gebracht hat, und das wäre die klassische Dilemma-Situation, bei der es die breite Tradition gibt, dass man sagt: Ja, in solchen Situationen darf man durchaus lügen. Petrus allerdings lügt nicht nur, er verleugnet das, was ihm heilig ist. Rösel: "Wenn Petrus Jesus verleugnet in dieser bewussten Situation - dreimal sagt er 'Ich kenne ihn nicht', dann ist das nicht mehr zu rechtfertigen, und es wird auch kein Versuch unternommen, das zu rechtfertigen, aber Petrus erkennt es eben selber.
Mit Blick auf diese Geschichte empfiehlt Augustinus seinen Lesern:. Hier verdient eher die Besserung als die Heuchelei des Petrus Nachahmung, so wie man lieber seine Tränen als seine Verleugnung nachahmen soll. Zeit, die Bibel zuzuklappen, um andere Bücher zu öffnen. Zunächst: Das Buch des Lebens, in dem manchmal kein Raum bleibt, um über Moral oder Ethik, über Pro und Contra des eigenen Handelns nachzudenken, bevor die Entscheidung fällt: Lügen oder nicht lügen.
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Aber es gibt Ausnahmen, wo der Mensch berechtigt ist, sich sogar mit einem Regiment von Lügen zu umhüllen, um sein Leben zu retten. Das hab ich getan. Salomon Perel, geboren im Jahr , war noch ein Junge, als ihm die schicksalhafte Frage gestellt wurde: Bist du ein Jude? In Sekundenschnelle musste er sich zwischen der Treue zu seinem Glauben und der Rettung seines Lebens entscheiden.
Perel: "Das war ein schicksalhafter Moment meines Lebens, wo zwischen Tod und Leben nur 'ne Haarweite war. Und als er mich fragte, ob ich Jude bin, da war mir klar, wenn ich ihm die Wahrheit antworte, bin ich in fünf Minuten erschossen. Aber ich hatte ja ein Problem: Als ich mich von meinen Eltern verabschiedete, hat mein Vater gesagt: Unter jeden Umständen bleibe gläubiger Jude, nur dann wird dich Gott beschützen.
Und meine Mutter hat mir gesagt: Du sollst leben. Nun als mich der Deutsche fragte, bist du Jude - war der erste Blitz, der mir durch den Kopf ging: Mein Vater hat mir gesagt, bleib immer Jude, sonst verlässt dich Gott. Aber mir war auch klar, dass ich die Wahrheit nicht sagen darf. Und dann hörte ich auch die Stimme meiner Mutter, die gab mir so ein Gefühl, als ob ein Schutzengel hereinkam, und da hab ich einfach diese Lüge, kam mir ganz plötzlich, hab ich gesagt: Nee, ich bin kein Jude, ich bin volksdeutsch.
Eine kleine Lüge, die aber mein Leben gerettet hat.
Vertrauen: Über ein riskantes Gefühl
Weil das Wunder geschah, der deutsche Soldat hat mir geglaubt. Salomon Perel, der sich Sally nennt, hat nicht nur diese eine kurze und lebensrettende Lüge ausgesprochen. Er schlüpfte in die Kleider des Feindes, wechselte scheinbar die Seite und lebte als Hitlerjunge in Nazideutschland. Erst nach seiner Pensionierung traute sich der inzwischen in Israel lebende Perel, von dieser Zeit in seinem Leben zu sprechen.
Mit seinem Buch "Hitlerjunge Salomon" brachte er seine Geschichte an die Öffentlichkeit. Perel: "Die frommen Juden sagten: Gott wollte, ich sollte überleben als Zeichen der Ewigkeit des Volkes Israel, und die Säkularen sagen, es war ein berechtigter Kampf ums Überleben, sie würden auch genau so handeln. Aber es gab auch einige kritische Bemerkungen.
Mir wurde mal gesagt, ich hab unmoralisch gehandelt, ich hab meine Religion verleugnet — da sagte ich: Welche Moral predigst du mir hier? Ich wollte nicht moralisch sterben, ich wollte moralisch überleben. Es scheint glasklar, dass den Jungen Perel sowie unzählige andere unschuldig Verfolgte und ihre Helfer keinerlei Schuld trifft. Und doch gab es im Lauf der Jahrhunderte genau zu solchen Fällen Diskussionen.
Im Christentum, in der philosophischen Ethik — und im Islam. Meidet Gräuel von den Götzenbildern und meidet lügnerisches Wort. Aus dem Koran — Sure Der Prophet sagte: Wenn der Diener lügt, entfernt sich der Engel von ihm eine Meile weit wegen des Gestanks dessen, was er begangen hat. Aus den Hadithen. Hock: "Grundsätzlich muss man sagen, wenn man die Vielfalt der koranischen Aussagen, wenn man da die Summe zieht, muss man sagen, es ist eindeutig, es soll, es darf nicht gelogen werden.
Schwierigkeiten tauchen nur auf - und das ist mit jeder Frage des Verhaltens, auf die es keine konkrete Antwort im Koran gibt - wenn man in Dilemmata des Handelns kommt, wenn man etwa Konflikte hat zwischen unterschiedlichen Zielen. Klaus Hock, Religionswissenschaftler mit Schwerpunkt Islam an der Universität Rostock. Hock: "Darf ein Prophet in einer bestimmten Situation lügen, um die Sache Gottes sozusagen zu retten?
Da gibt es eben keine eindeutige Handlungsanweisung, sondern da muss ich dann darüber in den Diskurs treten und das haben die islamischen Gelehrten über die Jahrhunderte gemacht. Dabei wird - wie in allen ethischen Fragen - der Koran herangezogen, der aus muslimischer Sicht die direkte Botschaft Gottes wiedergibt, und auch die Hadithe, die überlieferten Worte und Taten des Propheten Mohammed.
Ihnen wird eine ähnlich hohe Bedeutung beigemessen wie dem Koran. Eine ganz eindeutige Haltung zur Notlüge lässt sich daraus nicht ableiten:. Hock: "Es gibt Positionen, die sagen: Ich muss in so einer Situation dann eben notfalls sterben, zum Märtyrer werden, weil ich muss an der Wahrheit festhalten, während andere sagen: nein, das geht nicht, wenn es wirklich für die bessere Sache dienlich ist, dann ist eine Notlüge legitimiert - und dann gibt es dann viele Narrative, die dann verschiedene Situationen durchspielen und dann entsprechend zu der einen oder anderen Antwort kommen.
Die Lüge ist an manchen Stellen besser als die Wahrhaftigkeit. Siehst du etwa, dass wenn ein Mann mit dem Schwert hinter einer Person her rennt um sie zu töten, und sie in ein Haus geht und er zu dir kommt und sagt: "Hast du den und den gesehen? Sagst du nicht: "Ich habe ihn nicht gesehen? Al Ghazali. Das wäre ein Beispiel, wo es diskutiert wird - aber es gibt auch andere Meinungen, die eben sagen: Nein, das geht nicht, man muss wirklich so konsequent sein, weil sozusagen die Integrität des Ganzen würde durch die Lüge erschüttert werden.
Das Beispiel mit dem unschuldig Verfolgten findet sich bei Al Ghazali, einem islamischen Philosoph und Mystiker, geboren im Nur in drei Angelegenheiten ist es erlaubt zu lügen. Wenn jemand etwas sagt, um zu schlichten, im Krieg und wenn jemand seiner Frau etwas erzählt oder sie ihrem Gatten. Auf manchen christlichen Internetseiten werden solche Zitate als Beleg dafür verwendet, dass der Islam allgemein eine Religion sei, die Lügen erlaube und sogar empfehle, wenn es darum geht, einen Vorteil zu erlangen oder den so genannten Ungläubigen in die Irre zu führen.